Posts mit dem Label Achtsamkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Achtsamkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. November 2014

Buchempfehlung: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen

141102 020
Ich habe ein schönes Buch gelesen: "Die Kunst ein kreatives Leben zu führen - Anregung zu Achtsamkeit" von Frank Berzbach. Auch wenn ich nicht unter dem beruflichen Druck stehe ein kreatives Leben führen zu müssen, habe ich mich in diesem Büchlein sehr wiedergefunden. Wer schon das ein oder andere Buch zum Thema Achtsamkeit gelesen hat, wird hier vielleicht gar nicht so viel neues erfahren. Aber es liest sich so schön. Die Dinge sind so schön miteinander verknpüft, immer wieder finden sich treffende und inspririerende Zitate anderer Philosophen, Forscher oder Zen-Lehrer. Ein ganzer Fundus an Lebensweisheiten tut sich auf. 

Es geht um den heutigen Büroalltag, um die herrschenden Bedingungen, Zwänge und Herausforderungen - und darum, wie man in diesem Umfeld sinnlicher Mensch bleibt. Das meiste lässt sich auch auf die Arbeitsweise nicht-kreativer Leute übertragen. Es geht darum, die tägliche Arbeit nicht im Sinne einer Work-Life Ballance zu optimieren, sondern Arbeit als gelebte Lebenszeit zu verstehen. 
141102 024
Da es mir nicht ansatzweise gelingen will die Schönheit dieses Buches in eigene Worte zu fassen, lasse ich das Buch ein wenig selber sprechen: "Jeder muss seine Mitte finden, und dort ist es ruhig und unspektakulär. Die Zen-Meisterin Joko Beck sagte in einem Vortrag 'Es gibt nichts anderes als das tägliche Leben'. Wir können diesen Satz, wenn wir kreative Arbeit und kreatives Leben nicht mehr trennen wollen, variieren: Es gibt nichts anderes als die tägliche Arbeit! Das scheinen wir aber oft zu vergessen, weil aus dem Schöpferischen eine so große Sache gemacht wird. Dabei ist auch die Kreativität nichts, was einen Heiligenschein verdient. Sie gehört zum Leben, für manche mehr, für andere weniger. Für einige ist sie der Lebensmittelpunkt. Aber selbst dann: das Leben ist vergänglich, es ist kurz. Um das unter dem Druck der Herausforderungen nicht zu vergessen, müssen wir lernen, innezuhalten." 

Bereits beim ersten in die Hand nehmen hebt sich das Buch von anderen ab: hochwertiges Papier, sehr schlichtes aber besonderes Design. Es liegt so gut in der Hand. Im Vorwort erfährt man, dass bei der Produktion andere Bedingungen als der sonst in der Buchbranche üblichen herrschten: es gab kein Terminplan, keine Deadlines, keine e-mails - stattdessen sehr viel Zeit, tintenbeschriebene Briefe und reichlich Tee. "Ginge es nach den Glaubenssätzen der Buchbranche, könnte dieses Buch jetzt nicht vor Ihnen liegen. Und doch liegt es da. Freut sich auf Sie. Lädt Sie ein: zu einem stillen Gesrpäch. Zum leisen Denken. Auch dazu, die ungeschriebenen Gesetzt, die Ihr Leben immer schneller werden lassen, zu hinterfragen. Und dazu, die Gestaltung Ihres allerwichtigsten Projektes nicht vor lauter Meetings aus den Augen zu verlieren: die Ihres Lebens." 

141102 029
Wie schön auch im Impressum folgenden Hinweis zu lesen: "Wir übernehmen Verantwortung nicht nur für Inhalt und Gestaltung, sondern auch für die Herstllung". Das Papier entstammt ökologisch bewirtschafteten Wäldern, die Druckerabwärme wird für die Beheizung der Büroräume verwertet. 

Als Antwort auf zunehmenden Stress und Hektik im Büro empfiehlt er die schlichte Zubereitung einer Tasse Tee nach japanischer Teezeremonie - genau das werde ich jetzt tun.

Sonntag, 21. September 2014

Ein Tag in Achtsamkeit

140904 089_
Einen Tag bewusstes Schweigen - keine Uhr, kein Handy, nur die Stille und man selbst.

Anfang des Jahres habe ich einen achtwöchigen Achtsamkeitskurs gemacht und mich während dieser Zeit jeden Tag eine Dreiviertelstunde in achtsamer Meditation, Yoga oder dem sogenannten Body Scan geübt. Ok, sagen wir fast jeden Tag. So ein Vorhaben ist nämlich ganz schön ambitioniert, wenn man das "Leben verändern" gern auf morgen verschiebt und mit Disziplin sonst nicht viel am Hut hat. Aber der Kurs und die wöchentlichen Treffen helfen beim Durchhalten.

Dieses Wochenende habe ich einen Tag der Achtsamkeit in einer Gruppe von ehemaligen Kursteilnehmern gemacht. Sechs Stunden abwechselnd Sitzmeditationen, Yoga und Gehmeditationen. Alle zusammen, aber jeder für sich. Außer der Kursleiterin spricht niemand.
060511 668_
Warum tut man so etwas? Um zu sehen, was von einem übrig bleibt, wenn alle äußeren Reize abgestellt sind. Was macht mich aus, wenn ich nicht mehr zwischen verschiedenen Mozilla-Tabs wechsle, auf dem Weg von A nach B hetze oder mich durch das Fernsehprogramm switsche, auf der ständigen Suche nach Information und Zerstreuung? Was bleibt in der Stille?

Sicherlich sind sechs Stunden in Meditation keine Kompletttransformation. Aber es ist aufschlussreich sich mal für ein paar Stunden nur auf sich zu konzentrieren. Was für Wellen schlagen einem entgegen! Der kleinste Gedanke kann in der Stille einen Höllenlärm machen. Gefühle, sonst unter Alltagspflichten vergraben, haben freie Bühne. Es ist nicht immer angenehm. Vieles, was wir vielleicht lieber nicht sehen oder fühlen möchten, kommt hoch. Ein Tag in Meditation ist kein Wellnesstag, es geht nicht um Entspannung. Es geht darum, still zu werden und wahrzunehmen, was ist - was immer es grade ist. Man lernt, dass Gedanken und Gefühle Wellen sind: sie kommen - und sie gehen auch wieder. Alles ist im Fluss. Manchmal, nach einer Zeit des stillen Beobachtens, der äußeren Stille und vielleicht inneren Unruhe, setzen sich diese Gedanken wie Teilchen im Wasser am Grund ab und man wird ruhig, es klärt sich auf. Wie schön können diese Momente der inneren Stille sein, und seien sie auch nur für einige Augenblicke. 

Wie beruhigend zu wissen, dass man auch einfach nur SEIN kann, ohne dass es irgendetwas anderem bedarft als Stille und Atem. Einfach nur SEIN, in einer Gesellschaft, die dem TUN den größten Wert beimisst, in der jede Minute Lebenszeit dem Maß der Effizienz unterliegt.
//